Impedanzen

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hardtrail
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Impedanzen

Beitrag von hardtrail »

Hallo,

hab nun endlich mal die Zeit das DI Projekt in Angriff zu nehmen.
Ich hab den Pikatron Übertrager 3094M 1:5 zunächst an loser Strippe zwischen Quelle und Verstärker gehangen.
Kann mal jemand einen Blick in den Schaltplan werfen:
https://www.buerklin.com/pdf/sich/C106000_TD.pdf
Die Ein- und Ausgangswiderstände sind im Endeffekt doch die Werte, die als Quelle und Last angegeben sind, oder?
gemessen: 340 zu 60 Ohm. Wie passt das zusammen?


Und zwar klappt es hervorragend z.B. mit einem IPod in "Vorwärtsrichtung". Aber mit einem Bass als Beispiel werde ich nicht weit kommen, oder? Den an 200 Ohm zu betreiben macht keinen Sinn. Also Übertrager in Rückwärtsrichtung.
Werde ich dann Stress bekommen, da ich ja einen beachtlihen Pegelverlust bekommen werde?
Andererseits, da die DI beim Bass ja auch an einem Mic Eingang angeschlossen wird, relativiert sich das dann?
Andersrum: Keyboard 5:1 --> Line Eingang; läuft das???
Wie sieht es eingangsseitig mit maximaler Spannung aus? Gibt es Grenzen, bzw. sind die Grenzen mit normalem Studioequipment erreichbar?

Weiterer Punkt: Übertrager mit 200Ohm Ausgangsseitig ohne Kondensator wäre sein Tod, oder? (Stichwort Phantompower versehentlich an)
Welche Verlustleistung kann der i.d. Regel ab, kann ich auf einen Ausgangskondensator verzichten???
Theoretisch würde bei 48V und 50kOhm Ausgangswiderstand ein Strom von 1mA fließen, P wäre dann ca. 50mW. Kanner dat?

jensenmann
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Beitrag von jensenmann »

Was du mit der DI ausser Symmetrierung und galvanischer Trennung eigentlich willst ist einen Linepegelausgang mit hohem Ausgangswiderstand (ca 10kOhm beim Jazzbass) an einen Mikrofonpegeleingang mit niedrigem Eingangswiderstand anpassen. Deshalb muß der Pegel runtertransformiert werden. Die richtige Impedanzanpassung bekommt man als Dreingabe mit dazu geschenkt.

Der Trafo ist für deinen Bass nicht "sichtbar" vorhanden, sondern er transformiert die sekundärseitige Impedanz auf die Primärseite um.
Schau mal hier unter "Netzwerkmodellierung": http://de.wikipedia.org/wiki/Transformator
Hat dein Mikrofonpreamp 2kOhm Eingangswiderstand wir dieser von deinem 1:5 (rückwärts eingebaut) Trafo auf 5x5x2kOhm hochtransformiert. Damit sieht dein Bass eine Last von 50kOhm und ist glücklich - sogar ein alter Jazzbass mit kaum Output.

Wenn Phantomspeisung versehentlich auf den Trafo geschaltet wird, liegt an beiden Anschlüssen der Sekundärseite 48V an. Somit gibt es keine Potentialdifferenz und keinen Strom. Es passiert also nix. Ausnahmen sind Trafos mit sehr hohen Übersetzungsverhältnissen (ab 1:20), bei denen es deutliche parasitäre Kapazitäten gibt, die dann geladen werden und im Ausschahltmoment eine sehr hohe Gegeninduktionsspannung erzeugen, die schlecht isolierte Drähte beschädigen können - der beliebte V72 an 48V Tod.

Deine gemessenen Gleichstromwiderstände stimmen im Verhältnis nicht mit dem Übersetzungsverhältnis überein, da du nur den Gleichstromwiderstand misst, dabei aber ignorierst, dass Trafos aus Induktivitäten bestehen, die einen anderen Wechselstromwiderstand haben.

Üblicherweise haben NF-Übertrager eine Prüfspannung von 500V, je nach Hersteller bis 3kV. Das sollte auch für deine Anwendung reichen.
Jens

hardtrail
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Beitrag von hardtrail »

Hmm, was du sagst, hätte ich mit meinem 5. Semester e-Technik auch selber wissen müssen, peinlich...
Lediglich die Impedanztransformation ist mir gerade erst wieder auf den Schirm gekommen. Danke für den Tipp :) die Mathematische Herleitung ist wenigstens geglückt.
Welche eingangsimpedanz kann ich beim Line-Eingang erwarten? Oder, um das abzukürzen, funktioniert dieser Übertrager auch mit Keyboards?
Ein Pad-Netzwerk ist geplant.
Zur Phantomspeisung hätte ich ich nur mal an ein pdf erinnern müssen, dass mir hier im Forum verlinkt wurde und das ausgedruckt (!) auf meinem Shreibtisch lag. War gestern zufällig Vollmond oder ein Wetterumschwung?

Bei der Spannungsfestigkeit ging es mir nicht um die Isolationsfestigkeit, sondern eher um Sättigung / Unlinearität, also die Grenzen, innerhalb derer ich problemfrei arbeiten kann. Oder umgekehrt, vielleicht eignet sich die DI auch zum dezenten anfetten?

jensenmann
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Beitrag von jensenmann »

Dezentes anfetten wird im Datenblatt erklärt: 0,5% Klirr bei 40Hz und 200mV. Wenn du das Teil umgekehrt nutzt kannst du also 1V reinschieben, um die Bässe anzudicken. Das ist schon die Grenze für Keyboardausgänge, mehr geht kaum. Im Ernstfall musst du das einfach ausprobieren. Kaputt geht dabei nichts.
Jens

hardtrail
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Beitrag von hardtrail »

0,5 % ist laut Wikipedia nun noch nicht hörbar. Würde es auf einen Versuch ankommen lassen, aber wie kann ich diesen frequenzselektiven Klirrfaktor noch erhöhen?
Was würde ein (abschaltbarer) Tiefpass mittels Spule bringen?
Ich Werde mal ein Bisschen experimentieren.

Mal kurz nachgedacht: ist es möglich, den klirrfaktor mit einem Oszilloskop zu messen?
Mit einem Digitalen Oszi könnte man doch das Eingangs- vom Ausgangssignal subtrahieren und dann die Effektivwerte vergleichen. Schade, das kann meins nicht. Welche Frequenzen nimmt man als Anhaltepunkt, oder sweep und dann arithmetisches Mittel?
Die 40Hz z.b. Im Datenblatt sagen ja wenig aus über den Rest des Frequenzbereichs.

jensenmann
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Beitrag von jensenmann »

Die Kernsättigung und somit der Klirr ist bei tiefen Frequenzen am höchsten, weshalb Angaben bei höheren Frequenzen auch nichtssagend sind. Je nach Trafohersteller geben die den Klirr aber schon mal bei 50Hz oder sogar höher an, damit sich das Datenblatt besser liest und niemand auffällt, dass der Trafo eigentlich wenig pegelfest ist.

Was hörbar und nicht hörbar ist kann kaum per Wikipedia standardisiert werden. Der Ottonormalhörer wird nichts hören, währen der geübte goldene-Ohren-Hörer die Hände über dem Kopf zusammenschlägt....

Wie du schon selbst sagtest: experimentieren. Du baust das Gerümpel ja für dich und deine Ohren.
Jens

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