Elektronische Bassfalle mit Subwoofer DIY

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Elektronische Bassfalle mit Subwoofer DIY

Postby bernbrue » Sun Feb 12, 2017 10:53 am

Moin,
Das war mal wieder ein Aha-Erlebnis erster Güte. Nachdem Reiner und ich das Monitorsetup in meinem Kellerstudio noch etwas optimiert haben, ja, wir haben die KH-310, den Gewinner des Monitor shootouts installiert, stellte sich nun die Frage, was mit dem O-800 Subwoofer passieren sollte. Reiner hatte krankheitsbedingt etwas Zeit und befasste sich intensiver mit dem Thema elektronische Bassfalle, was auch Thema auf dem Workshop bei Neumann war, den Reiner besucht hatte.

Hier eine allgemeine Einführung zum Prinzip einer elektronischen Bassfalle.

http://www.zehner.ch/aktiveabsorber.htm


Klein & Hummel wollte seinerzeit eine elektronische Bassfalle auf Basis des O-800 anbieten, musste aber aus Lizenzgründen einen Rückzieher machen. Interessierte sollten sich unbedingt die Bedienungsanleitung des O-800 ARAM herunterladen.

http://www.neumann-kh-line.com/neumann- ... s_O800ARAM

Gestern haben wir das Prinzip einer elektronischen Bassfalle dann bei mir im Keller nachgebaut. Der Raum ist ein typischer Kellerraum mit etwa 20 qm Meter und rechtwinkligen Wänden. Akustisch ist der Raum denkbar schlecht für eine Regie, aber man kann sich das ja auch nicht immer aussuchen. Wir haben einen 2x4 Splitter, ein stereo delay von T-racks und einen 0-800 Nachbau eingesetzt. Der Subwoofer wurde um 180 Grad in der Phase gedreht und nach oben gerichtet ganz eng an die Rückwand gestellt, das Delay auf 3,8 Meter (Entfernung der Hauptmonitors zur Rückwand) eingestellt. Zum Einstellen der Lautstärke haben wir etwa 1 Meter über dem Subwoofer ein messmikrofon aufgestellt, einen 60 Hertz Testton über die Hauptmonitore und Subwoofer geschickt und die Lautstärke des Subwoofer so lange aufgedreht, bis die höchste Auslöschung erzielt wurde. Fertig!

Das Ergebnis ist absolut verblüffend! Eine Kick ohne e-trap machte "Ponnnnnng", mit so richtig schön aufblühendem Wumms nach dem Attack, bedingt durch die Raummoden im Bassbereich. Mit e-trap macht sie nur noch "Pong", mit extrem viel Druck und Direktheit, wie ich das noch nie gehört habe. Kein Nachwummern, nichts, einfach beeindruckend. Attack und Bauch der Kick kommen gleichzeitig, nicht nacheinander. Alle tieffrequenten Signale haben deutlich mehr Klarheit und Druck, der sprichwörtliche Matsch/Mulm im Bassbereich ist weg. Ich habe bei einem Jazztrio den Kontrabass und das Schlagzeug noch nie so präzise und definiert gehört. Meine Höreindrücke beziehen sich auf die ideale Hörposition mittig vor dem Pult sitzend. Geht man im Raum herum, dann stellt man fest, dass der 60 Hertz Testton/tieffrequente Signale an der Rückwand komplett ausgelöscht ist/werden, man hört dort also absolut gar nichts, als ob die Kellerrückwand nicht existieren würde. Seitlich der Abhörmonitore ist der Testton/Bass teils überdeutlich zu hören.

Der Subwoofer ist übrigens in der Lautstärke nicht sehr weit aufgedreht. Danebensitzend fragt man sich, ob der überhaupt angeschaltet ist. Man hört ihn einfach nicht. Es gibt soweit ich weiß nur ein kommerzielles Produkt. Der Subwoofer ist dabei so klein, dass man sich fragt, wie das gehen soll. Ich vermute, dass ein kleinerer Subwoofer als der O-800 das genauso leisten kann.

Soweit erst einmal. Zwischenfazit: absolut lohnenswerte und effiziente Maßnahme in akustisch problematischen Räumen. Die Alternative mit passiven Basstraps kam für mich nicht in Frage, da ich den Raum sonst mit Basstraps hätte zustellen müssen. Reiner und ich haben das Studio gestern mit einem Lächeln auf den Lippen verlassen und uns gefreut!
LG
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Re: Elektronische Bassfalle mit Subwoofer DIY

Postby DerEber » Fri Feb 24, 2017 1:33 pm

Ok, also ....... irgendwo war doch da noch dieser alte Subwoofer im Lager. :mrgreen:
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Re: Elektronische Bassfalle mit Subwoofer DIY

Postby bernbrue » Fri Feb 24, 2017 1:42 pm

Moin,
Wir haben das ganze noch etwas nachjustiert und zunächst erst einmal die Raummoden durch Messungen bestimmt. Dementsprechend wurde die Frequenz des Testtons angepasst und der Subwoofer vom Pegel her nochmal neu justiert.
Eine sehr lohnenswerte Maßnahme.
LG
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Re: Elektronische Bassfalle mit Subwoofer DIY

Postby MarkusKrippner » Thu Mar 02, 2017 4:41 am

Nicht ganz dieses Thema, aber es geht in ne ähnliche Richtung:

In der modernen fortgeschrittenen Grossbeschallungstechnik ist CSA (Cardioid Subwoofer Array /gerichtete Bass-Abstrahlung) eine tolle Sache.
Das funktioniert überraschend gut.
Warum kommt eigentlich diese Technologie nicht auch bei Studio-Monitoren zum Einsatz?
Könnte mir vorstellen, das die ein oder andere Raummode erst garnicht entstehen würde, wenn der Bassbereich gerichtet statt kugelförmig abgestrahlt würde.

...markus :-)
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Re: Elektronische Bassfalle mit Subwoofer DIY

Postby jensenmann » Sat Mar 04, 2017 3:08 pm

Sowas kommt auch in der Studiotechnik zum Einsatz. Geithein baut die RL901k schon sehr lange. Außerdem gibt es auch schon lange Dipolsubwoofer, die immerhin mit einer 8er Charakteristik abstrahlen und so deutlich weniger den Raum in andere Richtungen als der Hauptachse anregen. Auch das funktioniert prima, wenn man sich damit beschäftigt und auf die genaue Positionierung achtet.
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Re: Elektronische Bassfalle mit Subwoofer DIY

Postby engineer » Sun Oct 08, 2017 7:24 pm

Ich bin dabei, meiner Pyratone Audio Plattform 4 Kanal Bass beizubringen und plane auch eine Schallwellenkompensation im Tieftonbereich als Dreingabe. Hätte jemand dazu eine genauere Info bezüglich der rechtlichen Probleme, die oben angesprochen werden? Ich nehme an Patentproblem?
Pyratone - 768kHz Sound Synthesis: http://www.96khz.org/pyratone.htm
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